Botanik der Aloe vera Pflanze

Weil die immergrünen, lederartigen, lanzettförmigen, 50 bis 60 Zentimeter lan­gen, bis zu 20 Zentimeter breiten und 5 Zentimeter dicken Blätter der Aloe vera Pflanze am Rand von kleinen spitzen Stacheln gesäumt sind, halten viele Laien die Pflanze für eine Kaktee. Doch obwohl ihr Erscheinungsbild tatsächlich dem der Agave ähnelt, zählt die Aloe botanisch zur Gattung der Liliengewächse. Nichtsdestotrotz ist sie wie auch die Kakteen eine so genannte Sukkulente, die in ihren Zellen Wasser speichern kann und deshalb nicht oft gegossen werden muss – zu häufiges Wässern oder Dauerregen verträgt sie nicht. Da die Aloe einen Großteil des Wasserbedarfs über ihre Blätter aufnimmt, gedeiht sie im tropischen Klima sehr gut. Die Luftfeuchtigkeit ist dort hoch genug, und es besteht zudem keine Frostgefahr. Denn auf niedrige Temperaturen (bereits unter 5 °C) reagiert die Pflanze ebenso empfindlich wie auf zu viel Wasser.

Das Erscheinungsbild

Die Aloe vera Pflanze wurzelt nicht tief in der Erde, sondern knapp unter der Oberfläche weit verzweigt in sandigem, kalkreichem Boden. Aus ihrem kurzen Stamm, der etwa 40 Zentimeter hoch ist und dem einer Yucca Palme ähnelt, wachsen rosettenförmig die schweren, fleischigen Blätter. Bei Trockenheit stehen sie hoch aufgerichtet und dicht um den Stamm. Wenn es regnet, breiten sie sich beinahe wie eine Blüte auseinan­der, um möglichst viel Wasser spei­chern zu können. Mithilfe winziger Poren auf der Blattoberfläche regelt die Aloe ihren Wasserhaushalt.

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass anhaltende Hitze der Aloe vera nichts an­haben kann. Zwar geht sie wegen der eingelagerten Wasservorräte in Trockenzeiten nicht zugrunde. Aber um Dürreperioden zu überstehen, verbraucht sie ihre wert­vollen Inhalts Stoffe selbst. Denn sengende Sonneneinstrahlung ohne Schatten spendende Obstbäume, wie sie in Mischkulturen wachsen, bedeutet für die Aloe wie für jede andere Pflanze, aber auch für Tier und Mensch Dauerstress: Sie wird ausgelaugt und verändert ihre Inhaltsstoffe. Das Aloin im Inneren der Blattrinde wirkt dabei als »Stressregulator«, vermehrt sich und vermischt sich dann mit der gelartigen Blattsubstanz, deren Qualität dadurch vermindert wird.

Die Blätter der jungen Aloepflanzen sind sommersprossenartig mit weißen Pünktchen übersät, die jedoch durch Sonneneinwirkung und mit zunehmendem Alter der Pflanze ver­schwinden. Das Innere des wachsähnlichen, prall gefüllten Blattes enthält eine gelartige, durchsichtige, helle Substanz, die zu 99 Prozent aus Wasser mit gelösten Inhaltsstoffen besteht. Sie stellt den Wasserspeicher dar, mit dessen Hilfe die Aloe vera Pflanze auch lange Dürrezeiten gut überstehen kann, wenn andere Pflanzen bereits ver­trocknen. Sie aufgrund dieser Fähig­keit als Wüstenpflanze zu bezeichnen, wäre jedoch nicht korrekt. Denn die Wüste ist nicht ihr idealer Lebensraum, da die Pflanze der Sonne dort in zu großem Maße ungeschützt ausgesetzt wäre.

Die Blüte

Von Frühjahrsbeginn bis Anfang Juni steht die Aloe in der Blüte. An einem etwa einen halben bis einen Meter langen kerzenförmigen Blütenschaft, der aus der Mitte der Pflanze herauswächst und von Hochblättern umgeben ist, sitzen röhrenförmige Blütenköpfe. Je nach Aloe-Art haben sie unterschiedliche Farben: grünlich weiß, orange, leuchtend rot oder gelb – wie bei der Aloe vera. Jede Blüte besitzt sechs Staubblätter und einen Fruchtknoten.

Von der Plantage in die Fabrik

Viele Hersteller schmücken ihre Ware mit einem selbst verliehenen Gütesiegel: die Qualitätsgarantie des »International Aloe Science Council« (IASC). Dieses garan­tiert jedoch weder, dass die enthaltene Aloe aus biologischem Anbau stammt, noch dass das Produkt anthranoidfrei ist. Auch darüber, wie hoch der Aloe-vera-Anteil ist, ob das Produkt aus gefriergetrocknetem und mit Wasser verdünn­tem Gel besteht, ob ein ganzes Blatt oder nur das Gelfilet verwendet wurde, wo die Aloe vera Pflanze gewachsen ist oder wie sie angebaut und stabilisiert wurde, gibt das Siegel keine Auskunft. Es besagt nur, dass überhaupt Aloe enthalten ist.

Mai 30, 2011 · admin · Comments Closed
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