Die Aloe Vera Pflanze in der Naturheilkunde

 

Das reine Frischblatt-Gel oder Aloe vera-Saft lässt sich gut für die Eigenbe­handlung nutzen. Beide sind frei erhältlich und können auch von einem medizini­schen Laien angewandt werden. Aber nicht nur in der Hausapotheke hat sich die Aloe vera Pflanze bewährt. Auch die klas­sischen Naturheilmethoden setzen auf die Kräfte der alten Heilpflanze. So spielt die Aloe eine wichtige Rolle

> in der Phytotherapie,

> in der Homöopathie,

> als biogen stimulierte Aloe,

> in der Spagyrik,

> als Kalifornische Blütenessenz und

> in der Hildegard-Medizin.

Einige dieser alternativen Heilmethoden eignen sich auch für die Behandlung zu Hause, etwa die Therapie mit Kaliforni­schen Blütenessenzen. Andere – beispiels­weise die homöopathische Anwendung von Aloe oder die Behandlung mit biogen stimulierter Aloe, die unter die Haut gespritzt werden muss – sollten immer nur unter Anleitung und in Begleitung eines erfahrenen Heilkundlers erfolgen.

Phytotherapie

In der Phytotherapie – der Pflanzenheil­kunde – ist die Aloe schon seit Jahrhun­derten als Abführmittel bekannt. Darüber hinaus ist sie ein Bestandteil des »kleinen« Schwedenbitters, einer etwa 400 Jahre alten Rezeptur aus Schweden, die bei vielen Beschwerden helfen kann: Er stärkt die Abwehrkräfte, lindert Gelenkschmerzen, fördert die Verdauung und unterstützt Leber und Nieren. Nehmen Sie bei akuten Beschwerden oder zur Vorbeugung mor­gens und abends je einen Teelöffel ein. Aufgrund klinischer Studien wird die Aloe vera Pflanze vor allem in den USA und Thailand zunehmend auch zur phytotherapeutischen Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen, von Wunden, Ver­brennungen, Sonnenbrand, Erfrierungen, Akne und Insektenstichen eingesetzt.

Homöopathie

Der Name »Homöopathie« leitet sich vorn Griechischen ab: »homoios« bedeutet »ähnlich«, »pathos« heißt »Krankheit« und »Leiden«. Die Wirkungsweise der Homöo­pathie besteht also darin, ein Beschwerdebild mit dem Mittel zu behandeln, das bei einem Gesunden genau diese Beschwerden hervorrufen würde. Die Mittel, die in der Homöopathie zum Einsatz kommen, können pflanzlicher, tierischer oder mi­neralischer Herkunft sein und werden in Form von Tropfen, Tabletten oder so ge­nannten Globuli – winzige Kügelchen aus Milchzucker – verabreicht. Das Wesen der Homöopathie besteht darin, dass die »Medizin« in verdünnter und »verschüttelter« oder »potenzierter« Form verabreicht wird. Je höher die Zahl — auch Potenz genannt – hinter dem Mittel ist, umso weniger Substanz des ursprüng­lichen Stoffes ist enthalten. Als homöopathische Potenz kann Aloe bei folgenden Beschwerden und Krank­heitsbildern angewendet werden:

> Schließmuskellähmung im Rektum

> unfreiwilliger oder unbemerkter Stuhlabgang

> unwillkürlicher Durchfall mit Gasabgang : Durchfall vorwiegend morgens zwischen 2 und 10 Uhr

> Schmerzen im Unterleib und um den Nabel vor und während des Stuhlgangs (pulsierender Schmerz um den Nabel)

> schleim- oder gallertartiger oder gelb­blutiger Stuhl

> Hämorrhoiden mit Juckreiz, empfind­lich und wund

> Verdauungsbeschwerden (Blähungen und Verstopfung)

> Darmentzündung (Colitis, Enteritis) Rückenschmerzen jeder Art

> kalte Füße

> Kopfschmerzen, meist drückend über der Stirn, abwechselnd mit Rücken­schmerzen

> geistige Erschöpfung

Ein typisches Kennzeichen aller mit Aloe vera behandelbaren Beschwerden: Sie verbes­sern sich bei Kühle, während sie bei Hitze schlechter werden.

Anwendungsbeschränkungen

Da die Einnahme von homöopathischen Medikamenten kurzfristig eine Ver­schlimmerung der bestehenden Sympto­me auslösen kann (die so genannte Erst­verschlechterung) und sowohl die Einnahmehäufigkeit als auch die Potenz des Mittels individuell auf den Patienten abgestimmt werden muss, sollte die Behandlung stets von einem erfahrenen Therapeuten begleitet werden. In keinem Fall dürfen Sie eine homöopathische Behandlung mit Aloe eigenmächtig vor­nehmen, wenn Sie

> schwanger sind,

> psychisch und/oder nervlich überlastet sind,

> an einer akuten fiebrigen Erkrankung leiden,

> eine chronische Krankheit haben,

> einen schlechten Allgemeinzustand haben,

> einen Säugling oder ein Kleinkind behandeln wollen,

> alt und gebrechlich sind.

Biogen stimulierte Aloe

Das Verfahren der biogen stimulierten Aloe geht auf den Russen Wladimir Petrowitsch Filatow zurück, einen Professor für Augenheilkunde. Ende der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts beobachtete er bei mehreren Augenoperationen, dass transplantierte Hornhaut, wenn sie gekühlt ist, die Regeneration der übrigen Horn­hautzellen im erkrankten Auge besonders anregt und der Heilung förderlich ist. Systematisch wandte Filatow diese Er­kenntnisse auf Pflanzen an. Dabei experi­mentierte er auch mit der Kap-Aloe: Zehn Tage bewahrte er einige Blätter der Pflanze im Dunkeln bei Temperaturen von 2 bis 3 °C auf. Danach zerkleinerte und presste er die Blätter zu Flüssigkeit, die er einem Augenkranken unter die Haut spritzte. Mit positivem Ergebnis: Das Sehvermögen des Patienten besserte sich so sehr, dass auf eine Hornhauttransplantation verzichtet werden konnte. Filatow erklärte sich seinen Erfolg damit, dass sich während der kühlen und dunklen Lagerung in den Aloeblättern aktive, lebensregulierende und enzym­ähnliche Substanzen mit starker Heilwir­kung bilden. Diese Substanzen nannte er biogene Stimulatoren. Das Verfahren wurde nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland von dem Biolo­gen und Naturforscher Wolfgang Wirth weiterentwickelt. Wirth fand heraus, dass die biogene Stimulation und die dabei ablaufenden thermischen, mechanischen, photo- und biochemischen Prozesse zu einer Neustrukturierung der Aloe führen­deren Endprodukt er Alogen nannte: ein Stoff mit enzymartigen, katalysatorähnli­chen Eigenschaften, die auf Gehirnstoff­wechsel und Immunsystem wirken. Dieser Stoff ist nicht mit der herkömmlichen homöopathischen Urtinktur der Aloe zu verwechseln.

1987 – etwa 50 Jahre nach den ersten Ver­suchen Wladimir Filatows – wurde das Verfahren der biogenen Stimulation patentrechtlich geschützt. Es wird inzwi­schen europaweit erfolgreich eingesetzt -in Frankreich und Großbritannien eben­so wie in den Niederlanden, in Italien und in Bulgarien.

Einsatzgebiete

Biogen stimulierte Aloe hilft zur allgemei­nen Stärkung des Immunsystems genauso gut wie bei der Behandlung akuter und chronischer Krankheiten. Der Einsatz hat sich bewährt

> zur gezielten übergeordneten Immun­stimulation, bei der die Abwehrprozesse schnell und gemäßigt ablaufen. Eine Erstverschlechterung (wie sie bei der Homöopathie oftmals der Fall sein kann) oder Fieberbildung entfallen, bei akuten Erkrankungen, die mit einem geschwächten Immunsystem einhergehen.

> bei chronischen Erkrankungen wie Krebs, verschiedenen Krankheiten des rheumatischen Formenkreises, Parkin­son, chronischen Schmerzen, Entzün­dungen, Hauterkrankungen, septischen Prozessen, die zu einer Blutvergiftung führen können, sowie bei Stoffwechsel­störungen.

> bei Augenleiden aufgrund von Diabetes oder Leberstörungen.

Alogen, der Wirkstoff der biogen stimu­lierten Aloe, hat Auswirkungen auf andere Behandlungsmethoden. Es verstärkt

> die Wirkung anderer pflanzlicher oder chemischer Pharmaka. Die Dosis dieser Medikamente kann bei Zufuhr von biogen stimulierter Aloe verringert werden (etwa bei Dauermedikation).

> die Wirkung von Reflextherapien wie Akupunktur oder Neuraltherapie.

> die Aktivität und Entgiftung der Leber.

Darreichungsform in Ampullen

Biogen stimulierte Aloe wird von einem erfahrenen Therapeuten in Ampullen­form verabreicht und eignet sich — wie die Homöopathie mit Aloe auch – nicht zur Eigenbehandlung.

> Aloe D2: zehnmal ein Milliliter zur subkutanen Injektion

> Aloe D7: zehnmal ein Milliliter zur subkutanen Injektion

> Aloe D5: zehnmal ein Milliliter zur oralen Anwendung

Eine Therapie mit biogen stimulierter Aloe kann auch mit anderen natürlichen Heil­mitteln kombiniert werden, zum Beispiel mit einer Enzymtherapie aus Schlangen­enzymen, mit anderen Heilpflanzen oder mit Vitaminen und Mineralstoffen.

Spagyrik

Die Spagyrik ist eine Arzneimittelzuberei­tung, die ihre Wurzeln im Akhimismus hat und sich bis ins vorchristliche Ägyp­ten zurückverfolgen lässt. Der berühmte Arzt Paracelsus benannte die Methode in »Spagyria« um. Dieser Name entstammt dem Griechischen und beinhaltet die bei­den Teile »spao« = »ich ziehe heraus« und »ageiro« = »ich bringe zusammen«. Diese Definition gibt auch das Herstel­lungsprinzip der Spagyrik wieder: das Trennen-Scheiden einerseits und das Bin-den-Vereinigen andererseits. In einem aufwändigen und komplizierten Verfahren mittels alkoholischer Gärung, Destillation, Veraschung und Filterung wird das Endprodukt – die spagyrische Essenz – hergestellt, die in 20-prozentigem Alkohol haltbar gemacht wird. Eine spagyrische Essenz aus Aloe wird in Tropfenform verabreicht und soll nicht nur auf Verdauungs- und Immunsystem ausgleichend und stärkend wirken, son­dern auch zur Harmonisierung des Ner­vensystems und des geistig-seelischen Bereichs beitragen.

Sie erhalten spagyrische Essenzen in der Apotheke; 20 Milliliter kosten zwischen fünf und zehn Euro. Als unterer Durch­schnittswert für die tägliche Einnahme gilt: Geben Sie acht Tropfen in ein kleines Glas Wasser und trinken Sie dieses nach dem Essen langsam aus.

Kalifornische Blütenessenzen

Es war der englische Arzt Dr. Edward Bach, der ein Verfahren fand, mithilfe dessen sich die individuelle Schwingung einer Pflanze (sozusagen ihre »Seele«) in die Träger­substanz Wasser einbringen und mit Alko­hol stabilisieren lässt. Eine Ergänzung der ursprünglich »nur« 37 Bach-Blüten stellen die Kalifornischen Blütenessenzen dar. Zu diesen mittlerweile um mehr als 100 Arten erweiterten »neu­en« Bach-Blüten, die Sie in der Apotheke erhalten, gehört auch die Aloe vera Pflanze. Aloe-Bach-Blüten helfen bei Überarbeitung und unterstützen den Regenerationsprozess beim so genannten Burnout-Syndrom. Sie wirken herzstärkend und fördern die Lebensenergie. Auch für Kinder, die unter Leistungsdruck stehen, sind sie geeignet. Geben Sie zwei Tropfen der Essenz in ein Glas kohlensäurefreies Wasser und trin­ken Sie dieses über den Tag verteilt. Rüh­ren Sie das Wasser vor jedem Trinken um und fahren Sie mit der Behandlung fort, bis sich Ihr Zustand gebessert hat.

Hildegard-Medizin

Auch Hildegard von Bingen, Mystikerin und Benediktinerinnenäbtissin, beschäftigte sich im 12. Jahrhundert mit Naturheilmitteln. Das aloinhaltige Aloe-Pulver setzte Hildegard von Bingen in erster Linie bei Leber- und Verdauungsbe­schwerden ein. Ihr empfohlenes Aloe-Leber-Tonikum hat jedoch nichts mit den heutigen Aloe-vera-Produkten zu tun und ist darüber hinaus nur noch selten, erhältlich – selbst in Apotheken, die sie auf Hildegard-Medizin spezialisiert haben. Das Tonikum enthält Anthrano der Kap-Aloe und gilt als Abführmittel.

April 12, 2011 · admin · Comments Closed
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