Die Verarbeitung der Aloe Vera

Die geernteten Blätter werden in Kisten gelagert und in die den Plantagen an­gegliederten Fabriken transportiert. Das muss recht schnell gehen, denn einige Wirkstoffe der Aloe beginnen sich bereits nach wenigen Stunden zu verflüchti­gen, wenn die Aloe nicht gekühlt wird. Zudem schützt die Eile vor einem Befall mit Milchsäurebakterien, die zum Beispiel die Polysaccharide zersetzen.

Die Arbeiter in den Fabriken tragen sterile Schutzkleidung, um die Blätter von Hand bearbeiten zu können. Dabei ist äußerste Sorgfalt geboten, denn das Blattgewebe darf nicht ver­letzt werden, damit sich die Anthranoide aus der Blattrinde nicht mit dem wertvollen Gel im Inneren vermengen. Die Blätter werden mit einer Laugen­lösung gewaschen und anschließend mit kaltem Wasser abgespült. In einem Betrieb, der Wert auf höchste Qualität legt, werden dann Blattfuß und -spitze sowie die Dornen am Blattrand ent­fernt. Anschließend wird mit einem Spezialmesser die Blattrinde vom Blattinhalt abgeschält. Diesen Vorgang nennt man filetieren, weil das auf diese Weise herausgelöste Blattinnere -das so genannte Gel – an ein Filet erinnert. Das Filet wird auf eine transparente, von unten beleuchtete Scheibe gelegt. Auf diese Weise lässt sich die Qualität des durchscheinen­den Gel-Filet-Stücks hinsichtlich seiner Reinheit untersuchen. Die Filetierung von Hand ist zwar aufwändig, sie schafft aber gerade in einkommensschwachen Agrarregionen wie Mexiko oder Süditalien wichtige Arbeitsplätze.

Die meisten Hersteller sparen sich jedoch Aufwand und Kosten und lassen gleich das ganze Blatt zerkleinern. Um die Anthranoide mit dem Aloin zu entfernen, sind sie deswegen auf Filterverfahren angewiesen, wie Kohlefilter oder Kieselgur. Gerade das Kieselgur Verfahren filtert das Aloin jedoch nicht zuverlässig und ist deshalb abzulehnen. Auch das Trennungsverfahren mit Aktivkohle ist wenig effektiv, worauf sogar das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucher­schutz hinweist: Nicht nur die Anthranoide werden ausgesondert, gleichzeitig gehen auch wertvolle Inhaltsstoffe verloren. Deswegen ist ein Aloe-vera-Saft aus dem ganzen Blatt im Vergleich zu Saft aus filetiertem Gel von minderer Qualität. Dass die Filetierung nicht immer so zeitaufwändig sein muss, beweisen Produ­zenten in den USA, wo das Filet fast überall maschinell aus dem Blatt gelöst wird.

Die Haltbarmachung

Nachdem das Gel aus dem Blatt gelöst und anschließend kalt gepresst wurde, muss es stabilisiert werden. Zahlreiche Hersteller vermengen dabei das natur­reine Aloe-Gel mit chemischen Konservierungsstoffen wie Natriumbenzoat und Kaliumsorbat. Vom Kauf derartig behandelter Produkte ist abzuraten, denn ihre gesundheitsschädigende Wirkung fällt fast immer auf die Aloe vera zurück und schadet dem guten Ruf und Wirken der Heilpflanze. So soll zum Beispiel Natriumbenzoat in die von der EU erstellten Liste der allergieauslösenden Stoffe aufgenommen werden. Ebenfalls schädlich für die Gesundheit ist der Zusatz von Zitronensäure. Sie verändert den pH-Wert der Aloe, der zwischen 4,5 und 4,9 pendelt, macht so das Aloe-vera-Gel sauer und beeinträchtigt dadurch die Schleimhaut regenerierende Wirkung.

Pasteurisierung Das europäische Lebensmittelgesetz schreibt vor, dass Obst-, Pflanzen-und Gemüsesäfte entweder aromati­siert, chemisch konserviert oder pas­teurisiert – also mit Temperaturen zwischen 70 und 100 °C behandelt werden müssen wie bei der Aloe. Wie hoch die Temperatur bei einem thermischen Verfahren sein sollte und wie lange dieses dauern muss, um die Aloe vera schonend haltbar zu machen und so die wertvollen Inhaltsstoffe zum großen Teil erhalten und im Labor auch nachweisen zu können, darin besteht die Kunst eines guten Herstellers. Die Aloverose, die wesentlich verantwortlich für die Wirksamkeit der Aloe vera ist, bleibt dabei erhalten. Denn sie ist hitzestabil. Durch Pasteurisieren haltbar gemachte Aloe vera darf zu Recht »100 Prozent reine Aloe vera« genannt werden, sofern ihr keine weiteren Stoffe zugesetzt wurden.

In den USA verpflichtet der Gesetzgeber Hersteller nicht pasteurisierter Obst-, Pflanzen- und Gemüsesäfte, den Verzicht auf Pasteurisierung auf dem Produkt anzugeben. Enthält ein amerikanisches Aloe-vera-Produkt keinen Hinweis darauf, können Sie davon ausgehen, dass es pasteurisiert wurde.

Das Sprüh- und Gefriertrocknen

Viele Hersteller ziehen der Pasteurisierung das Sprüh- oder Gefriertrocknen vor. Bei diesem Verfahren wird dem Blattgel Wasser entzogen, wodurch es nicht nur haltbar wird, sondern auch leich­ter transportiert werden kann, weil es einen Großteil seines Volumens ver­liert. Aus derart »konservierter« Aloe lassen sich preisgünstige Trinksäfte herstellen, indem die Trockenkonzen­trate mit Wasser wieder verdünnt werden. Da Wasser auf dem Etikett deklariert werden muss, können Sie mit einem Blick erkennen, ob es sich bei dem betreffenden Produkt um ein Konzentrat handelt. Es liegt auf der Hand, dass eine auf diese Weise behandelte Aloe vera einen Großteil ihrer Wirkung eingebüßt hat und keinerlei antibakterielle Eigen­schaften mehr besitzt. In Untersu­chungen konnte zudem nachgewiesen werden, dass sich durch das Trocknen und die Konzentratherstellung die Mengenverhältnisse von Mineralstof­fen verändern: Während in der Aloe vera der Natriumanteil geringer ist als der Kaliumanteil, hat sich das Verhältnis im gefrier- oder sprühgetrockneten Konzentrat umgekehrt. Selbst die Aussage, dass es sich bei einem Aloe-vera-Gel oder -Saft um ein kaltgepresstes Produkt handelt, ist in Bezug auf die Qualität wenig aussagekräftig. Denn Kaltpressun­gen können auch zu Pulver weiterverarbeitet werden. Manche Hersteller fügen ihrem Aloe-Getränk eindickende Gelbildner zu (bei­spielsweise Xanthan), um dem Saft ein natürliches Aussehen zu geben. Oder sie geben den Zuckeraustauschstoff Sorbitol in das Getränk, um es geschmacklich aufzubessern. Für solch denaturierte Aloe-vera-Produkte ist selbst der günstigste Preis noch zu teuer.

Die Verpackung

Nicht nur bei der Haltbarmachung eines Aloe-vera-Produkts gibt es Qualitäts­unterschiede, sondern auch bei der Verpackung. Braunes Glas oder helles un­durchsichtiges Opalglas garantieren einen gewissen Lichtschutz und verhin­dern chemische Reaktionen zwischen Inhalt und Gefäß. Anders bei Behältnissen aus Plastik: Hier kann es unter Lichteinwirkung zu einer Wechsel­wirkung zwischen Aloe-vera-Saft oder -Gel und Kunststoff kommen, wodurch das Produkt verunreinigt wird.

September 8, 2010 · admin · One Comment
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